In den nachfolgenden Texten finden Sie grundlegende Informationen zum Zenweg.



Meditation
Innere Ruhe und Klarheit finden

 

«Ruhe des Geistes bedeutet nicht Stille,

sondern Klarheit.»



Mit Hilfe der Meditation trainieren wir geistige Ruhe und Klarheit. In unserem Alltag sind wir oft zerstreut und gestresst, so dass wir wenig Zeit und Raum haben, unsere geistigen Prozesse klar zu sehen.

In der Meditation schaffen wir diesen Raum für uns selbst. So können wir wenigstens ein bisschen Distanz von den tagein, tagaus auf uns einstürmenden Reizen bekommen.


In der Ruhe und mit Hilfe eines klaren Geistes erkennen wir die Dynamik von Ursache und Wirkung. Damit eröffnen wir uns mehr und mehr Handlungs-spielraum: Wir können oft bereits im Voraus erkennen, welche Folgen oder Konsequenzen eine Handlung auf körperlicher, verbaler oder geistiger Ebene erzeugen wird. Auf diese Weise haben wir in jedem Augenblick die Möglichkeit, unserem Leben eine neue (heilsame) Richtung zu geben. Wir sind zunehmend bereit, die Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen.


Meditation wird oft mit «Konzentration» und «Fokussieren» übersetzt. Aber gerade für den gestressten Menschen von heute geht es eher darum, jegliche Ablenkung und Zerstreuung des Geistes so weit wie möglich zu reduzieren, damit wir in die Ruhe kommen.




Das Herz der Zen-Praxis ist Zazen


«Meditieren heisst, ganz präsent zu sein,
unerschütterlich, Körper und Geist vereint.
Du musst nach innen gehen um Sicherheit zu finden,
an deiner Wurzel ankommen.» 
     



«In unserer verwirrten Welt Zazen zu praktizieren bedeutet:
zur wahren Dimension des Menschen zurück zu kommen und zum grundlegenden Gleichgewicht seiner Existenz zurück zu finden.
In der Stille erhebt sich der unsterbliche Geist –
und wortlos kommt Freude.»
                                                                                Taisen Deshimaru Roshi



• Zu sich selber zurückkommen und ganz in sich ruhen.

• Innere Ruhe und innere Kraft erleben.

• Frieden schliessen mit sich selbst und mit der Welt.



Es gibt zwei hauptsächliche Meditationsarten, die oft zusammenwirken und die auch häufig vermischt werden, die wir aber klar unterscheiden und eher separat üben sollten:


Zazen  (Samadhi-Meditation

)

Zazen heisst sitzen in Versenkung (za ist Sitzen, zen ist Versenkung, Konzentration). Die Tätigkeit der Sinne sowie die schweifenden Gedanken werden zur Ruhe gebracht durch aufrechtes Sitzen in gelöster Spannung und durch das Achten auf den Atem. Man verweilt in «reinem Gewahrsein», ohne Gedanken zu verfolgen.


Vipassana-Meditation



Die Vipassana- oder Achtsamkeitsmeditation ist eine konzentrierte Form der Selbstbeobachtung. In ruhigem, aufrechtem Sitzen mit geschlossenen Augen werden ohne Wertung Gedanken, Gefühle und Empfindungen beobachtet, die kommen und gehen. Dies ist eine wichtige Ergänzung zum reinen Zazen.






Der Weg des Zen


ZEN: Rückkehr zur Stille – inmitten der Welt
Mitten im Lärm unserer Tage ist es für viele Menschen zum Bedürfnis geworden, sich dem lauten Getriebe zu entziehen und zur Stille zurück zu finden. Stille erleben wir jedoch nicht nur äusserlich, sondern vor allem innerlich. Tief in uns gibt es einen Raum der Stille.

Es geht also darum, wieder Zugang zu diesem inneren Raum zu finden.




Was ist zen?


In seinen Bestrebungen unterscheidet sich Zen nicht von den anderen Richtungen des Buddhismus. Sie alle gründen sich auf die Vier Edlen Wahrheiten, die Shakyamuni Buddha in folgenden Grundsätzen erkannte:

     1. Das Leben ist Dukkha (leidhaft, unbefriedigend, unvollkommen)
     2. Das Entstehen von Dukkha hat eine Ursache (diese muss man erkennen)
     3. Es gibt einen Weg zur Befreiung von Dukkha
     4. Dieser Weg zur Befreiung ist der Edle Achtfache Pfad

Dieser Achtfache Pfad empfiehlt uns eine Lebensführung, die sich an acht Zielsetzungen orientiert:

Weisheit (Prajna)
      1. rechte Einsicht, Verstehen
      2. rechtes Denken, Absicht
Ethik (Sila)
      3. rechte Rede
      4. rechtes Handeln
      5. rechter Lebenserwerb
Vertiefung (Samadhi)
      6. rechte Anstrengung
      7. rechte Achtsamkeit
      8. rechte Konzentration, Sammlung (Meditation)


Wie Zen uns vom Leid befreien kann
Zen kann uns also helfen, uns von Dukkha zu befreien. Der Weg dazu führt über Zazen, die Übung der Meditation im Sitzen auf einem Zafu (Kissen) in der überlieferten Körperhaltung. Durch das Praktizieren dieser Meditation finden wir im Laufe der Zeit Antwort auf die Frage «Wer bin ich?». In einer neuen, radikalen Seinserfahrung entdecken wir unser ureigenstes Wesen, erkennen unser wahres Selbst. Diese Einsicht zeigt uns auch, dass uns und allen Wesen die sogenannte Buddhanatur innewohnt.


Die Rückkehr zu dieser reinen, innersten Natur unseres Seins, mit der wir ursprünglich geboren wurden, erreichen wir im Satori (Erwachen, Erkennen der Wahrheit). Dieser Bewusstseinswandel, der uns von allen Zweifeln, Ängsten und quälenden Fragen befreit, wird aber nicht aus egoistischen Motiven wie dem Wunsch nach persönlicher «Erleuchtung» angestrebt, sondern zum Wohle aller Lebewesen.

Zazen lehrt uns, dass das «Ich» eine Illusion ist. Das Festhalten daran ist die Wurzel unserer Unfreiheit, unseres Dukkha, in all ihren schmerzhaften Ausformungen. Durch die Überwindung unseres wertenden, unterscheidenden, dualistischen Bewusstseins, das ständig dazu neigt, alles in gut oder böse, angenehm, unangenehm oder neutral einzuteilen, wandelt sich aber unsere Persönlichkeit. Wir gelangen zu einer neuen Lebensqualität, die von innerem Frieden, Freiheit, Harmonie, Gelassenheit und unsentimentalem Mitgefühl geprägt ist.

Frei von Illusionen leben
Ziel der Zen-Praxis ist es also, das eigene wahre, vollkommene Wesen zu erkennen, das jeder von uns in sich trägt – im Zen das «wahre Selbst» oder «Wesensnatur» genannt.

Zu dieser Erkenntnis finden wir vor allem durch das Üben von Zazen und durch stetige, aufrichtige Geistesarbeit an uns selbst. So bringen wir allmählich unser unvollkommenes Bewusstsein zur Vervollkommnung und erkennen die «wahre» Wirklichkeit. Diese Erkenntnis ermöglicht es uns schließlich, frei von Illusionen und ihren leidvollen Verkettungen zu leben.

Wer weiß, dass alles Seiende von Leerheit (Shunyata) durchdrungen ist und ständigen Veränderungen und der Vergänglichkeit unterworfen ist, wird sich von der Illusion eines getrennt und autonom existierenden Ichs befreien können. Er wird die ursprüngliche Einheit des Universums erkennen, sich selbst als Teil davon begreifen und diese Erfahrung der Nichtdualität auch leben. Daraus ergibt sich die untrennbare Verbindung der Zen-Praxis mit dem «gewöhnlichen» Alltag.

Wie das geschieht? Indem wir die gewonnenen Erkenntnisse konsequent im täglichen Leben umsetzen und selbst banale Tätigkeiten «bewusst» ausführen. So wird das ganze Leben zu einer einzigen Zenübung. Im Leben hier und jetzt sieht der chinesische Ch’an-Meister Lin-Chi (9. Jahrhundert) auch die größte Herausforderung:
«Das wahre Wunder besteht nicht darin, in der Luft zu schweben oder auf dem Wasser zu wandeln, sondern darin, auf der Erde zu gehen.»

Die in der formalen Praxis gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten – wie auch das theoretische Wissen – müssen also tagtäglich gelebt werden und Eingang in den Alltag und alle Lebensbereiche und Situationen finden. Ein rein theoretisches Verständnis wäre nutzlos! In diesem Sinn darf die Meditation auch nie zum Selbstzweck oder zur bloßen Gewohnheit werden.



Zen-Praxis
Zen muss erlernt, geübt und auch ausgeübt werden. Das Herz der Zen-Praxis ist Zazen. Diese spezifische Art der Meditation, die sich von allen anderen Meditationstechniken unterscheidet, kann nur durch Übung erlernt werden. Dazu sind allerdings rechte Motivation, sowie Geduld, Anstrengung und Disziplin erforderlich, die durch die Praxis kultiviert werden.

Zazen übt man am besten in einem ruhigen Raum auf einem Kissen in aufrechter Sitzhaltung regungslos mit einer dicken Matte oder Decke als Unterlage. Die Beine werden möglichst in der so genannten ganzen oder halben Lotosstellung gekreuzt, wobei wichtig ist, dass die Knie fest auf dem Boden aufliegen.


Der Kopf wird gerade gehalten, das Kinn ist leicht zurückgezogen, so dass der Nacken gestreckt ist und die Ohren senkrecht über der Schulter stehen. Mit den Knien sinkt man förmlich in die Erde, wie die Wurzel eines Baumes, mit dem Oberkörper gleich einem Baumstamm aufrecht und mit dem Kopf gegen den Himmel zustreben.


Die Hände bilden das Meditationsmudra. Die linke Hand liegt in der rechten. Die Daumen berühren sich leicht an den Kuppen, so dass ein flaches Oval gebildet wird, das den Nabel umschließt. Die Ellbogen sind leicht nach außen gerichtet, denn die Arme sollen den Körper nicht berühren und die Achselhöhlen Raum für Luftzufuhr bieten.


Die Augen sind halb geöffnet. Der Blick ist gesenkt, unbewegt aber entspannt etwa einen Meter vor dem Körper auf den Boden gerichtet.

Beim Zazen konzentrieren wir uns anfangs auf die Atmung sowie die Körperhaltung und erlauben dem Atem, ganz natürlich sanft zu fließen. Die Ausatmung sollte lang, bis ganz tief hinunter in den Unterbauch sein, die Einatmung folgt dann ganz von selbst. Diese Methode der Atembetrachtung wird auch in anderen Meditationsschulen angewendet. Genaueres lernt man an den Meditationsabenden.



Was bewirkt Zazen?
Der Zweck dieser Übung ist es, den unruhigen Geist zur Ruhe zu bringen, ihn zu zähmen. Denn nur ein ruhiger Geist ist ein klarer Geist. Und erst wenn der Geist klar und gezähmt ist, können wir auch mit ihm arbeiten und mit dem eigentlichen Zazen beginnen. Wesentlich dabei ist es, das dualistisch diskriminierende Denken zurückzulassen.


Im Zazen sollten wir unser «wahres» Wesen erkennen und es realisieren. Wir lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind (Soheit). Normalerweise sehen wir die Dinge so, wie sie uns schlechthin erscheinen und wie wir sie interpretieren. Das führt oft zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen.

Durch Zazen lernen wir allmählich unsere eigenen Muster kennen, nach denen wir denken, reden und handeln. Wir erkennen auch, wo wir festhängen. Denn gerade das Nicht-loslassen-Können, das Verhaftet-sein, ist es ja, das die meisten unserer Probleme schafft und so häufig zu leidvollen Erfahrungen führt!
Mithilfe von Zazen können wir nicht nur uns selbst besser kennen lernen, sondern erlangen auch Einsicht in viele Aspekte der sogenannten Wirklichkeit.

Das Schwergewicht der Zen-Praxis liegt zwar auf der praktischen Übung des Zazen. Es ist aber auch notwendig, sich Kenntnisse der theoretischen Grundlagen der Lehre anzueignen. Ein tieferes oder echtes Verständnis der Theorie kann allerdings erst durch die intuitive Schau (nicht-dualistisches Denken) im Üben von Zazen erzielt werden. Alleiniges «Kopfwissen» bringt uns letztlich nicht weiter!

Zen kann von jedem praktiziert werden
Zen kann von allen Menschen, auch Nichtbuddhisten, unabhängig von ihrem Glaubensbekenntnis praktiziert werden. Die Zugehörigkeit zu einer Religion kann ohne weiteres beibehalten werden. Oft wird durch die Zen-Praxis das Verständnis für die jeweilige Religion vertieft. Genau genommen ist Zen keine Religion, sondern Arbeit am eigenen Geist durch direkte Erfahrung.
Das Erlernen und Ausüben der Zen-Praxis fordert von uns volles Engagement und eine ständig frisch bleibende Motivation.

Geduld, Ausdauer, Disziplin, Neugier oder Wissensdurst und die ehrliche Bereitschaft, sein geliebtes Ego mehr und mehr aufzugeben, sind die wichtigsten Begleiter auf dem langen, manchmal anstrengenden, aber lohnenden Weg zur Befreiung von allem Leid und von der Illusion des Ichs. Zen, so sagen die alten Meister, kann man nie genug üben. Es hat nichts Mysteriöses, doch es macht erst unser Leben vollkommen. Wir müssen jedoch darauf verzichten, beim Zazen ein Ziel erreichen zu wollen – welches auch immer.

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––




Was kann uns der Buddhismus heutzutage geben?


Jeder wünscht sich Glück zu erlangen und Leiden zu vermeiden. Betrachten wir jedoch unsere Leben oder die Welt die uns umgibt, sehen wir, dass überall Leiden ist, dass das Glück, welches wir anstreben häufig unerreichbar oder vergänglich ist.

Der Buddhismus zeigt klar auf, dass die Gründe für unser Leiden in Wirklichkeit in unserem eigenen Geist liegen. Der Buddhismus erklärt deshalb, wie wir unseren Geist schulen können um dieses Leiden und dessen Ursachen zu beenden.

Sogyal Rinpoche sagt: «In der modernen Welt haben wir kein echtes Verständnis des Geistes. Die meisten Menschen denken, der Geist bestehe bloss aus Gedanken und Emotionen, aber dies sind bloss Erscheinungen des Geistes, nicht die eigentliche Natur des Geistes.»



Es stellen sich somit folgende Fragen:
• Was ist der Geist?
• Was sind die Ursachen für (sogenanntes) Glück?
• Was sind die Ursachen für (sogenanntes) Leiden?
• Wie können wir die Qualitäten unseres Geistes entwickeln?
• Wie können wir inneren Frieden entwickeln?

Um uns die Essenz, Natur und Qualität des Geistes zu erklären, ergänzt Sogyal Rinpoche:
«Stellt euch einen Himmel vor, leer, weiträumig, und rein seit dem Anfang;

die Essenz des Geistes ist ebenfalls so.

Stellt euch eine Sonne vor, strahlend, hell, unverdeckt und spontan gegenwärtig;

die Natur des Geistes ist ebenfalls so.

Stellt euch vor, wie diese Sonne ALLES unvoreingenommen anstrahlt, alle Richtungen durchdringend; diese Energie, welche die Erscheinungsform des allumfassenden Mitgefühls darstellt, kann durch nichts behindert werden und sie durchflutet alles.»



Buddhismus ist eine Wissenschaft des Geistes – Geisteswissenschaft
Die Buddhistischen Lehren können durchaus als Wissenschaft des Geistes beschrieben werden. Der Buddhismus verwendet eine präzise philosophische und psychologische Terminologie und Argumentation. Der Buddhismus erforscht die Natur der Dinge in einer aktiven, unparteiischen und objektiven Weise. Von seiner ersten Unterweisung an, erklärte der Buddha die Realität der Dinge im Hinblick auf Ursache und Wirkung.

Die Leiden und Schwierigkeiten jedes Individuums sind auf das Vorhandenseins von entsprechenden Ursachen zurückzuführen.


Der buddhistische Schulungsweg kann als die Beobachtung der Natur der Erscheinungen, so wie sie ist, und das daraus folgende direkte Verständnis der Realität beschrieben werden.

In der Fachwelt anerkannte wissenschaftliche Studien, welche in Zusammenarbeit mit dem Dalai Lama durchgeführt wurden, kommen zu gleichen Schlussfolgerungen bezüglich den körperlichen und mentalen Auswirkungen eines kontemplativen Lebensstils. Die Forschung hat gezeigt, dass regelmässige Meditation zu strukturellen Veränderungen in den Hirnarealen führt, welche mit Aufmerksamkeit und Sinnesverarbeitung assoziiert werden.


Eine von Forschern des «Massachusetts General Hospital» durchgeführten Studie mit bildschaffenden Verfahren zeigte, dass bei Versuchsteilnehmern, welche geübte Praktizierende einer Meditationsmethode sind, bestimmte Teile der Hirnrinde dicker geworden sind. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Meditation zu Veränderungen in der Gehirnstruktur führen kann. Dies zeigt, dass eine regelmässige Meditationspraxis direkte Auswirkungen nicht nur auf unseren Geist hat, sondern sogar bis in den physischen Bereich hinein.

Im Laufe der letzten 2500 Jahre wurden die Methoden der buddhistischen Geistesschulung bis in feinste Details ausgearbeitet und deren Wirkung durch eine beinahe unglaubliche Anzahl von «spirituellen Verwirklichten» bestätigt.

Der Geist formt also die Materie. Alles, was ist, hat seine Ursachen, seinen Anfang im Geist. Dies zeigt uns, weshalb Arbeit an und mit unserem Geist so wichtig ist. Wollen wir also besser leben, eine bessere Welt haben, beginnt all dies zuerst in unserem Geist.


Uns heutige, westliche Menschen kann dies ermutigen, solche lebende «Meister» wahrzunehmen, zu hören oder zu lesen, was sie uns anzubieten haben um uns dann vielleicht selber auf den Weg zu machen.


Der Weg des ZEN ist eine zeitlose, immer aktuelle Methode (siehe oben).