Dialog
Anthroposophie und Buddhismus

 

 

Nicht nur im Osten gibt es spirituelle Meister, sondern auch hier im Westen gab und gibt es solche. Einer der ganz grossen europäischen Meister im 20. Jahrhundert war (ist) Rudolf Steiner,

der Begründer der sogenannten «Anthroposophie».


Steiners Geisteswissenschaft ist keine bloße Theorie. Ihre Fruchtbarkeit zeigt sie vor allem in der Erneuerung aller Bereiche des Lebens: der Erziehung, Pädagogik und Heilpädagogik, der Medizin, der Kunst, der Religion, der Landwirtschaft, bis hin zu Kultur, Rechtsleben und Wirtschaft.


Man darf ohne Übertreibung sagen, dass damit massgebliche Zukunftsimpulse für eine menschengemässe Welt gegeben wurden!


Beobachten wir heute die allgemeinen Entwicklungen weltweit, so sehen wir immer deutlicher, dass die Menschheit solche Impulse dringend benötigt.

Deshalb kann ein beidseitiges Kennenlernen von Buddhismus und Anthroposophie sehr hilfreich sein um das ganze Leben, Welt und Mensch in einem neuen Licht zu sehen und zu verstehen. Es geht dabei um ein ganz neues Verständnis von Ost und West, von östlichen und westlichen Übungswegen, auf der Grundlage des heutigen Wissens.


Auch den «Buddhismus» in seinen vielfältigen Formen kann man dadurch ganz neu verstehen lernen. Auf jeden Fall wird sich unser Horizont erweitern. Die Weisheit des Ostens kann dazu dienen, daß sich dem Westen die Inhalte seines «Glaubens» ganz neu erschließen.




Dialoge – Begegnungen – von einander lernen


Bereits im Jahr 2000 wurde eine internationale Arbeitsgruppe «Anthroposophie & Buddhismus» gegründet von Ha Vinh Tho und Ha Vinh Lisi.
Beteiligt waren damals Menschen aus aller Welt, die gleichzeitig mit der Anthroposophie und mit dem Buddhismus in Verbindung standen.


Es gab von 2001 bis 2004 einige wenige internationale Treffen und daraus folgend zwei Newsletter (siehe Downloads). Aber nach nur wenigen Jahren schlief die Arbeitsgruppe ein, vor allem weil die Interessierten um die ganze Welt verteilt lebten und Meetings deshalb mit weiten Reisen und hohen Kosten verbunden waren. Und wohl auch, weil die wesentlichsten Fragen für uns Beteiligte recht gut aufgearbeitet werden konnten.


Und heute: Andere Menschen – aber noch gleiche Fragen

Obwohl wir damals schon viele Fragen betreffend die Unterschiede zwischen östlichen und westlichen Wegen, im Besonderen zwischen Buddhismus und Anthroposophie, weitgehend klären konnten, stehen heute immer noch (oder wieder) viele Menschen aus der Anthroposophie vor genau denselben Fragen, die wir damals schon durchgearbeitet hatten. – Dies zeigte sich unter anderem an den drei «Meditations-Tagungen» 2015, 2016 und 2017 in Stuttgart.


Und deshalb möchte ich nun, viele Jahre später und unter ganz anderen Gegebenheiten (jetzt als buddhistischer Mönch mit anthroposophischem Hintergrund) die Möglichkeit eines solchen Austausches wieder anbieten und schlage als Treffpunkt unser ZENtrum Phật Môn in Basel vor.
Auch Einladungen an andere Orte nehme ich nach Möglichkeit gerne an.

Angesprochen sind vor allem Menschen, die an beiden «Strömungen» ernsthaftes Interesse haben und denen ein tieferes, neues Verständnis wirklich ein Anliegen ist.

Meine Motivation:
Seit mehr als 20 Jahren habe ich mich intensiv mit diesem Themenkreis beschäftigt und es liegen viele Antworten und Forschungsergebnisse zu den häufig ähnlichen Fragen vor. Dieses Material möchte ich gerne mit anderen Interessierten teilen, damit hoffentlich viel Positives dadurch entstehen kann. Und damit man nicht immer wieder ganz von vorne beginnen muss, sondern auf dem bereits Erarbeiteten aufbauen kann...


Interessierte mögen sich bei mir melden unter:  info@phatmon.ch



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Rudolf Steiner hat mehrfach gesagt, was kommen muss, wenn ein freies Geistesleben, das unabhängig vom Wirtschaftsleben und vom politischen Staatsleben ist, nicht zustande käme: «Entweder wird die heutige zivilisierte Menschheit sich dazu bequemen müssen, ein selbständiges Geistesleben hinzunehmen, oder die gegenwärtige Zivilisation muss ihrem Untergang entgegengehen und aus den asiatischen Kulturen muss sich etwas Zukünftiges für die Menschheit ergeben» (GA 191, S. 211f.).


Ähnlich auch: wenn der gelebte Christusimpuls sich im Westen nicht durchsetzt – und damit meinte er auch die Anthroposophie –, dann muss der Osten dafür einstehen.

Dann wird das, was hier im Abendland durch die Anthroposophie hätte kommen sollen,

in verwandelter Form durch Meister und Lehrer aus dem Osten geschehen müssen.

Dies mit Hilfe von modernem Buddhismus etc. (wie es jetzt stattfindet).

Genau dies ist de facto unsere heutige Situation! Hier stehen wir.


Deshalb brauchen wir Begegnungen – Dialoge – Verstehen – Zusammenarbeit

Wir könnten so viel voneinander lernen, indem wir die gelebten Erfahrungen beider Strömungen zusammenbringen. Von einem echten Zusammenwirken für eine gelebte, moderne Spiritualität hängt unendlich viel ab für eine heilsame Zukunft der Menschheit!


Angst vor den Unterschieden brauchen wir keine zu haben. Wir müssen aber die gegenseitige Verständigung entsprechend üben:

Die vielfältigen spirituellen Traditionen aus unterschiedlichen Kulturen sind wie verschiedene Sprachen. Je mehr wir diese verstehen lernen, umso besser können wir mit unterschiedlichen Begriffen und Worten umgehen, können sie treffender übersetzen.

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Polarität und Ganzwerdung


Lama Anagarika Govinda schrieb in einem seiner Bücher:
«Im Wissen um die Unsterblichkeit vernachlässigte der Osten das irdische Leben. Im Wissen um die Einzigartigkeit des Augenblicks und seines unwiederbringlichen Wertes vernachlässigte der Westen das Unsterbliche.
Nur in den tiefsten Aspekten des Vajrayana (der mystischen Schule des indischen und tibetischen Buddhismus) wie auch des I-Ching (des ältesten Buches chinesischer Weisheit) wurde der Versuch gemacht, den Vordergrund mit dem Hintergrund des Lebens und das Augenblickliche mit dem Ewigen zu vereinen und die Einzigartigkeit jeder Situation mit den ewig sich wiederholenden Konstellationen universeller Kräfte zu verbinden.

Ost und West: die zwei Hälften des menschlichen Bewusstseins
Nur derjenige, der in voller Erkenntnis und Anerkennung seines westlichen Erbes das Erbe des Ostens durchdringt und in sich aufnimmt, kann die höchsten Werte beider Welten gewinnen und ihnen gerecht werden. Denn Ost und West sind die zwei Hälften des menschlichen Bewusstseins, vergleichbar mit den beiden Polen eines Magneten, die sich gegenseitig bedingen und ergänzen und nie getrennt werden können.
Nur wenn der Mensch diese Tatsache anerkennt, kann er ein vollständiges menschliches Wesen werden.»





Sollen Christen zu Buddhisten werden?


Frage an Thich Nhat Hanh: Sollten Christen, die sich zur buddhistischen Lehre hingezogen fühlen, Buddhisten werden?

Antwort: Christen, die wissen, wie sie Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht generieren können, sind bereits Buddhisten, ganz gleich, ob sie die Fünf Richtlinien und die Drei Zufluchten formal angenommen haben oder nicht. Sie sind wirklich buddhistisch, auch wenn sie sich nicht Buddhisten nennen, denn die Essenz des Buddhismus ist Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht. [...]

Buddhistische Meditation auf diese Weise zu praktizieren hilft ihnen nicht nur, ein besserer Christ zu werden, sondern hilft ihnen dabei, das Christentum auf eine Art und Weise zu erneuern, die der jungen Generation unter den Christen hilft, sich wohler zu fühlen. Jede Tradition sollte sich selbst im Licht der neuen Entwicklungen in der Welt erneuern; auch der Buddhismus sollte sich immer wieder erneuern.

Diese Frage stammt aus dem Buch von Thich Nhat Hanh:

Tief aus dem Herzen. Die Energie des Betens